Amnesty International Themenkoordinationsgruppe gegen Folter

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Themenkoordinationsgruppe gegen Folter

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Literatur zum Thema Folter

Die kursiv markierten Passagen, die Sie unter einigen Titeln finden können, sind Buchbesprechungen, die von Mitgliedern der Themenkoordinationsgruppe gegen Folter verfasst wurden.

1. Amnesty-Dokumente
2. Folter allgemein
3. Aufweichung des absoluten Folterverbots und Folter im "Krieg gegen den Terrorismus"
4. Verfolgung und Prävention von Folter
5. Therapie von Folteropfern
6. Belletristik (und Poesie)
7. Autobiographien/Autobiographisches
8. Historische Dokumente
9. Kinder- und Jugendbücher


1. Amnesty-Dokumente

  • Amnesty International (Hrsg.): Die Würde des Menschen ist (un)antastbar: Folter sehen – Folter verhindern. April 2000
  • Amnesty International (Hrsg.) : Für eine Welt frei von Folter. Kampagnenbericht zur CAT-III-Kampagne (Bezug: Sekretariat der deutschen Amnesty-Sektion)
  • Amnesty International (Hrsg.): Für eine Welt frei von Folter. Eine Kampagne von Amnesty International, Bonn 2000. [engl. Originaltitel: Take a step to stamp out torture, London.]
Der 200-seitige Bericht ist der Begleitband zur dritten internationalen Kampagne von Amnesty International gegen Folter, die im Oktober 2000 startete. Der Band gibt in vier Kapiteln einen umfassenden Überblick über Folter & Misshandlung weltweit. Während das erste Kapitel unter dem Titel „Folter heute“ die wichtigsten Fragen rund um Folter & Misshandlung thematisiert, gehen die folgenden drei Kapitel auf die Schwerpunktthemen der Kampagne ein: „Diskriminierung – Wegbereiter für die Folter“, „Straffreiheit“ und „Der Kampf gegen die Folter – Es ist Zeit zu handeln“. Neben den zahlreichen Informationen, die er zum Thema liefert ist dieser Band vor allem auch deshalb eine empfehlenswerte Lektüre, weil durch Fotos und Einzelfalldarstellungen die individuelle Seite der Menschenrechtsverletzung „Folter“ gezeigt wird und das Thema dadurch von einer rein statistischen und juristischen Diskussion abgehoben wird.
  • Amnesty International/Council for the Development of Social Science Research in Africa: Monitoring and Investigating Torture, Cruel, Inhuman or Degrading Treatment and Prison Conditions, 2000

2. Folter allgemein

  • Deutsches Institut für Menschenrechte (Hrsg.): Jahrbuch Menschenrechte – Freiheit in Gefahr. Strategien für die Menschenrechte. Suhrkamp taschenbuch, Baden-Baden, 2005.
Das Jahrbuch enthält unter anderem verschiedene Artikel zum Themenbereich Folter und Misshandlung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Menschenrechtspolitik der Bush-Administration. Diese wird von sehr unterschiedlichen Beiträgen behandelt. Andrea Böhm liefert in „Gott, die Freiheit und die Folter“ eine bissige und detailreiche Abrechnung mit der damaligen US-Politik in Sachen Menschenrechte. Jochen Hippler analysiert in „Freiheitsbegriff, „Krieg gegen den Terror und Menschenrechte in der Außenpolitik der Bush-Administration“ die Verwendung der Begriffe Freiheit und Demokratie im Krieg gegen den Terror gegenüber der Verwendung des Begriffes Menschenrechte. Er erläutert die Bedeutung dieser Rhetorik für die Partei der Republikaner und kritisiert die systematische Missachtung des Völkerrechts sowie fundamentaler Menschenrechte. Wolfgang S. Heinz gibt in „Der Folterskandal in Abu Ghraib ein Jahr später. Eine Zwischenbilanz“ eine chronologische Darlegung der Untersuchung des Folterskandals und zeigt dessen Auswirkungen auf die Umgangsweise anderer Länder mit ähnlichen Fällen auf. Besonders eindringlich ist der der Beitrag von Rhami Khouri „Abu Ghraib aus arabischer Sicht“. Er fasst zunächst die bisherige Debatte zusammen und kritisiert dann zu Recht, dass die Diskussion nicht universal verlaufe, da Folter und Mißhandlung im Nahen Osten weit verbreitet wären, ohne die Gemüter derart zu erregen. Er kritisiert weiterhin, dass politische Verantwortung für solche Fälle auch von arabischen Machthabern nicht übernommen werde. Abu Ghraib gelte dem durchschnittlichen arabischen Bürger dennoch als Mißhandlungssymbol durch westliche Armeen, israelische Besatzer und einheimische arabische Diktatoren, es rege zu Widerstand geradezu an. Er plädiert daher eindringlich für die Schaffung stabiler Rechtsstaaten, die als einzige Lösung sowohl Folter als auch Terror verhindern können. Weiterhin enthält das Jahrbuch Menschenrechte auch Artikel zur deutschen Debatte zum absoluten Folterverbot. Heiner Bielefeldt diskutiert exemplarisch die Argumentation Winfried Bruggers, der das absolute Folterverbor aufweichen will, und kommt wie Rhami Khouri zu dem Schluß, dass ein Rechtsstaat, der foltert, nicht denkbar ist. Susanne Baumann unterstützt in „Der Fall Daschner“ die Begründung des Landgerichts Frankfurt und ruft ebenfalls zur Verteidigung des Folterverbots auf. Dieser Apell findet sich noch einmal in sehr eloquenter Weise im „Aufruf zur Verteidigung der Folterverbots“. Somit ist das Jahrbuch Menschenrechte höchst geeignet für Menschen, die sich in kurzer Zeit einen Überblick über die Brennpunkte der Folterdebatte verschaffen wollen. Wenngleich sich vor allem im Bezug auf Guantanamo vieles geändert hat, so bleibt es dennoch bis in unsere Zeit erschreckend aktuell.
  • Fiechtner, Urs M. (Autor), Marion Schweizer (Hrsg.): Folter: Angriff auf die Menschenwürde: Edition Menschenrechte (Broschiert), Horlemann-Verlag, 2008
  • McCoy, Alfred: Folter und foltern lassen – 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, 2005.
  • Herrmann, Horst: Sex und Folter in der Kirche – 2000 Jahre Folter im Namen Gottes. Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2005.
  • Millett, Kate: Entmenschlicht. Versuch über die Folter. Junius, Hamburg, 1993
  • Nowak, Manfred: Folter: Die Alltäglichkeit des Unfassbaren. Verlag Kremayr & Scheriau , Wien, 2012
Im ersten Teil dieses Buches wird Folter als allgemeines Thema behandelt. Es werden die heutigen Formen der Folter beschrieben, warum Folter eingesetzt wird und welchen Einfluß der "War on Terror" auf die Anwendung der Folter hatte. Weiterhin werden aber auch mit Folter verwandte Fragen erörtert, wie zum Beispiel in welchem Verhältnis Folter und Todesstrafe oder Folter und Genitalverstümmelung stehen.
Im zweiten Teil sind 19 Länderberichte enthalten, welche Manfred Nowak als UN-Sonderbericherstatter über Folter bereist hat. Hierbei wird neben der Beschreibung der nachgewiesenen Folter auch die Arbeitsweise eines UN-Sonderberichterstatters und die Kooperation der Gastländer beschrieben. Die ausgesuchten Länder enthalten alle Kontinente und geben einen guten Überblick wie heutzutage gefoltert wird. In diesem Buch wird auch ersichtlich, dass neben der eigentlichen Folter auch unmenschliche Haftbedingungen ein großes menschrechtliches Problem darstellen, welche Manfred Nowak als globale Haftkrise bezeichnet.
  • Peters, Edward: Folter. Geschichte der peinlichen Befragung. EVA, Hamburg, 1991
  • Reeemtsma, Jan Philip (Hg.): Folter. Zur Analyse eines Herrschaftsmittels. Hamburger Edition, Hamburg
  • Schenk, Dieter: BKA – Polizeihilfe für Folterregime. Dietz, Bonn, 2008.
  • Woll, Judith: Das Phänomen der Folter. VDM-Verlag, 2007.

3. Diskussion um die Aufweichung des absoluten Folterverbots und Folter im "Krieg gegen den Terrorismus"

  • Bahar, Alexander: Auf dem Weg in ein neues Mittelalter? Folter im 21. Jahrhundert. DTV, München 2009.
  • Beestermöller, Gerhard / Brunkhorst, Hauke (Hrsg.): Rückkehr der Folter – Der Rechtsstaat im Zwielicht. becksche Reihe, München 2006.
Viele Spezialisten zum Thema Verfassung, Menschenrechte und Folter sind in diesem Buch versammelt und diskutieren gemeinsam die Gültigkeit des absoluten Folterverbots. Dabei benutzen sie unterschiedliche Argumentationsfiguren, greifen teilweise auch aufeinander zurück und widerlegen auch mal die Argumention eines Kollegen. Dennoch verdichten sich ihre Beiträge zu dem Konsens, dass das absolute Folterverbot rechtlich in keinem Fall aufgeweicht werden darf – dies wird teilweise aus der Verfassung, der Menschenwürde, mit dem Dammbruchargument und dem Demokratieverständnis hergeleitet – im Falle eines tatsächlich eintretenden „Ticking-bomb-Szenario“ wird aber in den meisten Beiträgen auf einen „heldenhaften“ Gesetzesbrecher gehofft, der dann aber die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen soll. Der Wert dieses Buches besteht vor allem darin, dass es für verschiedene Denkarten und deren Schwachstellen sensibilisiert und einen damit auffordert, die eigene Argumention diesbezüglich wasserdicht zu machen. Gerade zur Vorbereitung auf speziellere Fragestellungen und Diskussionen ist dieses Buch sehr hilfreich, bereitet es doch auf einige argumentative Fallen und entsprechende Lösungen gut vor.
  • Brecher, Bob: Torture and the Ticking Bomb. Blackwell Publishing, 2007.
  • Heinz, Wolfgang: Terrorismusbekämpfung und Menschenrechtsschutz in Europa, Studie des Deutschen Instituts für Menschenrechte, 2007.
  • Lamprecht, Florian: Darf der Staat foltern, um Leben zu retten? Folter im Rechtsstaat zwischen Recht und Moral (mentis, ISBN 978-3-89785-566-3)
  • Prantl, Heribert: Der Terrorist als Gesetzgeber. Wie man mit Angst Politik macht. Droemer Verlag, München 2008
Prantl zeigt in seinem Buch eindrucksvoll die Gefahren auf, die entstehen, wenn im Namen der Terrorismusbekämpfung rechtsstaatliche Prinzipien untergraben, oder doch zumindest relativiert werden. Der freiheitliche Rechtstaat, so Prantls Beobachtung, wird zunehmend zu einem Präventionsstaat. Dieser Staat betrachtet seine Bürger nicht mehr als unverdächtig, sondern als potentiell verdächtig, wie beispielsweise die Diskussionen um Rasterfahndungen, Telefonüberwachung oder Militäreinsätze im Inneren zeigen. Mit diesen Entwicklungen verknüpft ist eine Sichtweise, die im Zweifelsfall die Menschenwürde des Einzelnen relativiert und ganz konkret das absolute Folterverbot in Frage stellt. Im Kapitel „Angst und Folter“ diskutiert Prantl dieses Thema ausführlich. Zum eine zeigt er anhand historischer Beispiele auf, dass Folter zwangsläufig eskaliert, häufig Unschuldige trifft und jede Gesellschaft, in der sie angewandt wird, auf Dauer zerstört. Zum anderen geht Prantl in dem Kapitel auf aktuelle Debatten um die so genannte Rettungsfolter und das Feindstrafrecht ein. Er liefert anschauliche und konkrete Argumente gegen diese Denkansätze, die einzelne Personen (im Regelfall als “Terroristen“ oder „Terrorverdächtige“ charakterisiert) außerhalb des gültigen Rechts stellen will bzw. die Anwendung von Folter in solchen Fällen befürwortet , wo eine hohe Zahl von Menschenleben durch eine erzwungene Aussage gerettet werden könnte. Prantl liefert in dem Buch ein eindrucksvolles Plädoyer für einen Rechtsstaat, der zwar entschieden, aber dennoch gelassen agiert und insbesondere die Freiheit des Einzelnen nicht einem trügerischen Zugewinn an Sicherheit opfert.
  • Willemsen, Roger: Hier spricht Guantánamo. Interviews mit Ex-Häftlingen. Fischer Verlag, Frankfurt 2006
"Über Guantánamo ist alles gesagt. Bis auf das, was die Häftlinge zu sagen hätten“, stellt Willemsen, Autor, Regisseur, Fernsehmoderator und Essayist, in seinem Vorwort zu den fünf Interviews fest, für die er im November 2005 nach Afghanistan, Russland und in den Nahen Osten reiste. Dies umreißt die Intention des Buches, den Hauptbetroffenen selbst eine Stimme in der Welt zu verleihen. Die (damals bereits entlassenen) Befragten - der ehemalige Botschafter Afghanistans in Pakistan, zwei Tataren russischer Staatsangehörigkeit, ein ehemaliger Gewürzhändler und ein Religionslehrer - beschreiben die Beliebigkeit, mit welcher ihre Festnahmen erfolgten, die Quälereien bei der Verbringung nach Guantánamo, den unsäglichen Alltag im Lager, aber auch ihre Probleme nach der Entlassung. Nicht allen Gefangenen ist eine Wiedereingliederung in ihr Leben „vor Guantánamo“ gelungen. Es blieben v.a. psychische Folgen, die sich auch sehr stark auf ihre Familien auswirkten. Die leicht verständlichen Interviews bieten einen plastischen Eindruck der Haftbedingungen des Lagers und der Gefühle der Gefangenen und eignen sich gut für Lesungen zum Thema.

4. Verfolgung und Prävention von Folter

  • APT, Monitoring Places of detention: A practical guide, Geneva, 2004.
  • Council of Europe, Handbook No. 6: The prohibition of torture. A guide to the implementation of Article 3 of the European Convention on Human Rights, 2003
  • Deutsches Institut für Menschenrechte (Hrsg.): Prävention von Folter und Misshandlung in Deutschland. Nomos Verlag, Baden-Baden, 2007.
  • OHCHR: Methods of Combating Torture, Human Rights Fact Sheets No 4, ISSN 1014-5567.
  • OHCHR: The Committee against Torture, Human Rights Fact Sheets No 17,
  • OHCHR: The Istanbul Protocol: Manual on the Effective Investigation and Documentation of Torture and Other Cruel, Inhuman or Degrading Treatment Punishment, 2001
  • OSCE: Preventing Torture: A Handbook for OSCE Field Staff, 1999
  • University of Essex (C. Giffard): The Torture Reporting Handbook, 2000
  • University of Essex Human Rights Centre (C. Foley): Combating Torture: A Manual for Judges and Prosecutors, 2003

5. Therapie von Folteropfern

  • Birk, Angelika/Pross, Christian/Lans, Johan: Das Unsagbare – Die Arbeit mit Traumatisierten im Behandlungszentrum für Folteropfer Berlin. Springer
  • Drees, Alfred: Folter. Opfer, Täter, Therapeuten. Neue Konzepte der psychotherapeutischen Behandlung von Gewaltopfern, Psychosozial-Verlag, Gießen 1996
  • Graessner, Gurris, Pross (Hg.): Folter – An der Seite der Überlebenden – Unterstüztung und Therapien. Beck, München, 1996

6. Belletristik (und Poesie)

  • Allende, Isabel: Geschichten der Eva Luna. Suhrkamp, 1993, ISBN: 351838693X
  • Amnesty International, Sektion der Bundesrepublik Deutschland e. V. (Hrsg.): Veränderung macht Leben – Zehn Jahre Gedichte für ai. Verlag Walter Leimeier, Lippstadt 1989
  • Arces, Luz: Die Hölle. Eine Frau im chilenischen Geheimdienst. Eine Autobiographie, Hamburger Edition, 2001, ISBN 3-930908-65-4
  • Becker, Jurek: Bronsteins Kinder. Suhrkamp Verlag, Frankfurt, 1986
  • Belton, Neil: Die Ohrenzeugin – Helen Bamber. Ein Leben gegen die Gewalt. S. Fischer Verlag, ISBN 3-10-005604-3
  • Die Bibel
  • Dorfmann, Ariel: Der Tod und das Mädchen, Fischer Taschenbuch Verlag, 1992, ISBN: 3-596-11426-8
  • Engelmann, Reiner/Fiechtner, Urs (Hrsg.): aller menschen würde – Ein Lesebuch, amnesty international gewidmet. Sauerländer, 2001, ISBN: 3-7941-4580-1
  • Engelmann, Reiner/Fiechtner, Urs: Frei und gleich geboren – Das Lesebuch Menschenrechte. Verlag Sauerländer, 2. Aufl., 2001
  • Fallaci, Oriana: Ein Mann. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1982
  • Fiechtner, Urs/Vesely, Sergio: Geschichten aus dem Niemandsland. Ausgewählte Kurzgeschichten. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-89657-109-5
  • Izzet Celasin: Schwarzer Himmel, schwarzes Meer. Kiepenheuer & Witsch, 2008.
  • Kogon, Eugen: Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentrationslager.
  • Kopečný, Angelika: ÜberLebensGeschichten. IKO – Verlag für interkulturelle Kommunikation
  • Rosencof, Mauricio: Der Bataraz. 1995, ISBN 3-922611-47-8
  • Solschenizyn, Alexander: Der Archipel GULAG
  • Zweig, Stefan: Schachnovelle. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt, 2003, ISBN: 3596215226

7. Autobiographien/Autobiographisches

  • Améry, Jean: Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1988, hieraus: „Die Tortur“
  • Kaya, Devrim: Meine einzige Schuld ist, als Kurdin geboren zu sein. Eine junge Frau auf der Flucht vor türkischer Folter und deutscher Justiz. Campus Verlag, Frankfurt a. M. 1998
  • Kurnaz, Murat: Fünf Jahre meines Lebens – Ein Bericht aus Guantanamo. Rowohlt, Berlin, 2007.ISBN: 978 3 87134 589 0, Preis: 16,90 Euro. 285 Seiten
Die Geschichte von Murat Kurnaz erschütterte Deutschland. Fast fünf Jahre war der 1982 in Bremen geborene Sohn türkischer Einwanderer im US-Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba inhaftiert, ehe er im Sommer 2006 wieder nach Deutschland zurückkehren durfte. In seiner nun erschienen Autobiographie, die er zusammen mit dem freien Journalisten Helmut Kuhn verfasste, schildert Murat Kurnaz auf beeindruckende Weise seine Erlebnisse. Das Buch reicht von seiner Kindheit und Jugend in Bremen über seine Reise nach Pakistan und seine dortige Gefangennahme im Jahr 2001, seine Inhaftierung in Guantanamo sowie seine Rückkehr nach Deutschland und die seither versuchte Aufarbeitung des Geschehenen. Das Buch ist aus zwei Gründen sehr zu empfehlen: Zum einen bringt es uns den Menschen Murat Kurnaz mit seinen Gefühlen, Gedanken aber auch mit seiner nüchternen Betrachtung des Geschehenen näher. Zum anderen erhalten wir durch die Erlebnisse von Murat Kurnaz einen detaillierten Einblick in die menschenunwürdigen Zustände des US-Lagers Guantanamo in dem nicht nur Misshandlungen und Folter anzuprangern sind, sondern in dem die Gefangenen einer tagtäglichen gezielten Schikanierung ausgesetzt sind: „Aber meist wusste ich gar nicht, warum ich bestraft wurde. Sie fanden einfach einen Vorwand [...]. Manchmal kamen die Schläger auch ohne Vorwand. Mitten in der Nacht, am Nachmittag oder noch während des Frühstücks. Ich begriff: Die Bestrafung war das System. Keiner konnte ihm entrinnen. Das System bestand in der dauernden Demütigung.“ (S. 145)
  • Riemann, Erika: Die Schleife an Stalins Bart. Piper, 2004, ISBN: 3492240933

8. Historische Dokumente

  • Sprenger, Jakob/Institoris, Heinrich: Hexenhammer, erstmals erschienen 1487, Area, 2004, ISBN: 3-89996-069-6
  • von Spee, Friedrich: Cautio Criminalis oder Rechtliches Bedenken wegen der Hexenprozesse, erstmals erschienen 1632, dtv, 6. Aufl., 2000, ISBN 3-423-30782-1

9. Kinder- und Jugendbücher

  • Fiechtner, Urs: Annas Geschichte. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv junior), München 1989
  • Perera, Anna: Guantanamo Boy. Cbt Verlag, München 2009

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